Folge 18: Thea, Mila und der Frühling

Die Sonne lacht zaghaft und wärmt langsam die Erde auf. Auf den Wiesen bei den Apfelbäumen sprießen schon die ersten Schneeglöckchen. Unser Mäuschen Mila hat die Frühblüher bei einem ihrer Streifzüge über den Bauernhof entdeckt. Sie liebt die Blümchen ganz besonders, weil sie fast genauso groß sind, wie sie selbst. In ihrer Fantasie sind das ganz viele Mäuschen. Sie haben weiße Kleider an und tanzen. Und so schwingt sich Mila inmitten des Blütenmeeres leise singend von einem Schneeglöckchen zum anderen. 

Die Fliege und der Propellerschwanz

Als sie sich gerade am Hals eines Schneeglöckchens festhält und daran dreht, hört sie plötzlich ein leises Lachen.

Es ist ihre beste Freundin Thea. Mila bemerkt, dass die große Milchkuh ihren Schwanz immer wieder dreht – wie ein Propeller: hoch, runter, hoch und wieder runter. Das sieht lustig aus. Scheinbar verjagt Thea eine Fliege. „Na da kann der Frühling wirklich nicht mehr weit sein“, denkt Mila. Denn Fliegen sind im Winter inaktiv, sie sterben oft oder fallen in eine Winterstarre, bis die Wärme das Leben in ihre Glieder zurückbringt.

Jetzt sieht Mila genauer hin. Das Insekt ist gar keine Fliege. „Hui. Juhu“, ruft das fliegende Tierchen fröhlich, während es dem wedelnden Kuhschwanz ausweicht. 

„Sumsi, jetzt ist aber gut“, muht Thea sanft. „Neeein, noch ein bisschen. Hui“, ruft die Kleine. Da entdeckt Thea die Maus: „Hallo Mila! Hattest du auf deinem Streifzug auch so viel Spaß wie Sumsi und ich?“

Hallo, du wilde Sumsi Wumsi

Das Insekt landet auf einem Schneeglöckchen und verbeugt sich vor Mila. „Ich bin Sumsi Wumsi. Ich bin eine Wildbiene. Um genauer zu sein, eine Frühlings-Seidenbiene. Viele verwechseln mich mit einer Honigbiene, weil wir ähnlich groß sind. Aber eigentlich sind wir ganz verschieden. Hihi.“

Mila kneift die Augen zusammen und betrachtet Sumsi ganz genau. Sie erinnert sich: Honigbienen sind braun-schwarz gestreift, haben eine behaarte Brust und kleine Körbchen an den Beinen, um Pollen zu sammeln. Und sie haben einen Stachel, um ihr Volk zu verteidigen.

Sumsi hingegen sieht viel pelziger aus. „Wir Wildbienen sind eine bunte Truppe“, erklärt Sumis stolz. „Einige von uns sind komplett schwarz, andere gelb-schwarz oder sogar rötlich. Wir haben zwar auch einen winzigen Stachel, aber den nutzen wir eigentlich nie. Wir stechen nicht.“

Mila wundert sich: „Und wo ist dein Bienenstock? Wo ist deine Königin?“ Sumsi lacht. Dabei vibrieren ihre Flügel sanft. „Ich habe keine Königin und kein Volk. Ich bin mein eigener Chef“, summt sie stolz. „Die meisten von uns Wildbienen sind Einzelgänger. Wir brauchen keinen prunkvollen Bienenstock. Uns reicht ein einfaches Zuhause. Ein Loch in der Erde, morsches Holz, ein hohler Pflanzenstängel oder eine Mauerritze. Stellt euch vor, ich bin in einem leeren Schneckenaus aufgewachsen.“

„Oh cool!“ ruft Mila. „Dann kannst du ja überall leben!“ Da wird Sumsi ein wenig traurig. „Ganz so einfach ist es leider nicht. Menschen bauen immer mehr Häuser und Straßen. Blumenwiesen verschwinden. Und Gärten sind viel zu ordentlich – alles ist kurz gemäht. Nirgends gibt es wilde Ecken, wo Pflanzen einfach so wachsen dürfen wie sie wollen.“

Mila lässt die Ohren hängen. „Ist das denn so schlimm? Dann fliegst du eben ein Stück weiter.“ Sumsi schüttelt ernst das Köpfchen. „Wenn wir keinen Platz mehr zum Leben finden, werden wir immer weniger. Und ohne uns Wildbienen wird es auf der Welt ziemlich grau und leer. Weißt du, wir sind die fleißigsten Helfer der Natur. Wir fliegen von Blüte zu Blüte und bestäuben sie. Wir sind enorm wichtig für Wildpflanzen.“

Thea nickt schwerfällig. „Stimmt. Sogar mein Klee auf der Weide braucht die Wildbienen. Wenn Sumsi und ihre Verwandten verschwinden, werden die Wiesen kahl und viele Tiere fänden kein Futter mehr. Alles in der Natur hängt zusammen.“

SOS für Sumsi: So können wir Wildbienen helfen

„Und denkst du Sumsi, ich kann deinen Honig mal kosten? Ich wette, der schmeckt fantastisch“, platzt es aus Mila heraus. Sumsi Wumsi schüttelt erneut den Kopf. „Wir Wildbienen machen keinen Honig-Vorrat wie die Honigbienen. Wir sammeln Nektar und Pollen nur für uns selbst und um unsere Larven, also unsere Babys, zu füttern. Wir sind Selbstversorger.“

Damit hat Mila nicht gerechnet. Plötzlich begreift sie, wie wichtig Blumenwiesen und ein passender Lebensraum sind. Denn die Wildbienen haben keinen Imker, der sich um sie kümmert.

Mila schaut auf die schönen Schneeglöckchen und dann zu Thea und Sumsi. „Wie können wir denn helfen, Sumsi?“ Jetzt strahlt die kleine Wildbiene wieder. „Das ist ganz einfach! Ihr könnt insektenfreundliche Pflanzen wie Wiesenschafgarbe, Lavendel, Christrosen oder Thymian pflanzen. Jetzt nach dem Winter sind die Frühblüher für uns lebenswichtig. Im Garten können die Menschen eine wilde Ecke stehen lassen, wo auch mal eine Brennnessel wachsen darf. Außerdem liebe ich hohle Schilfstängel, Bambus oder Holzblöcke mit kleinen Bohrlöchern – das sind für uns Luxushotels.“

Thea wackelt mit den Ohren. „Mila wusstest du eigentlich, dass auch die dicken Hummeln zu den Wildbienen gehören?“

Mila nickt und staunt. Dem Mäuschen dreht der Kopf. So viel hat sie heute gelernt. Während Sumsi Wumsi sich verabschiedet und in die Frühlingsluft aufsteigt, springt unser graues Mäuschen auf. Es will keine Zeit verlieren und auf dem Bauernhof nach den besten Plätzen für Wildbienen suchen.

Mila dreht sich noch einmal um und ruft Sumsi nach: „Auf Wiedersehen kleine Wildbiene. Komm uns bald mal besuchen!“ 

Zauberhaft vorgelesen: Thea & Mila als Hörspiel

Episode 04

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